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Die Weisheit
der Bergpredigt
Thesen und
Bemerkungen
Die Bergpredigt gilt als widerspenstigste und
zugleich wirkmächtigste Rede Jesu. Sie hat radikalste
Befürwortung und Gegnerschaft ausgelöst. Nach verbreiteter Auffassung, enthält sie ein Grundproblem, das nur sehr schwer
oder gar nicht lösbar ist.
Jesus
war kein umgänglicher Zeitgenosse, leicht zu
nehmen und schnell zu verstehen. Die Bergpredigt gibt
redlich Zeugnis davon. Jesus provozierte mit Vorliebe,
und das Zähneknirschen seiner Hörer bereitete
ihm wohl mehr Lust denn Verdruss Im Chor der religiösen
und politischen Interessenmelodien des römisch
besetzten Landes pfiff er gar nicht er mit, auch nicht
als Missklang. Er zog es vor, eine eigene Melodie
vorzutragen, die anderen Gesetzen folgte, als die
der lauthals Tönenden.
Die
Worte strahlen eine Anziehungskraft aus, die oberflächliches
Weiterlesen energisch ausbremst und zum Nachdenken
zwingt. Sie sind wie der überraschende Schatz
im Acker. Die entdeckte Truhe knistert spannungsvoll,
und wer hineinschaut, dem schillern geheimnisvoll
trapierte Kleinode entgegen. Die wertvollsten davon
sind Weisungen für das gelingende und heilende
Leben der Menschen untereinander. Jesus hat sie so
kunstvoll geschliffen, daß sie niemand leichtfertig
auszusortieren wagt, um sie in eine Kiste zu verstauen
mit der Aufschrift: Moralkodex - für die eine
oder andere Gelegenheit. Die Forderungen der Bergpredigt
lassen sich nicht einfach wegschließen.
 
weiterlesen
(pdf / 5 S.)
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Klaus
Kühlwein:
Chaosmeister Jesus. Die Bergpredigt,
Verlag
Kath. Bibelwerk (Stuttgart) 1999.
Das Buch ist
vergriffen. Sie können es aber (noch) durch mich beziehen.
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Rezensionen
Hans
Albert Höntgens
Christ
in der Gegenwart. Religiös-theologische
Neuerscheinungen/Herbst 1999
Der
Theologe Klaus Kühlwein hat ein ebenso kenntnisreiches
wie unkonventionelles Buch über die Bergpredigt
geschrieben. Wer sich über den Titel wundert,
erfährt im Vorwort Neues aus der Chaosforschung.
Es ist wie mit der unteren Dose, die man aus einem
Turm von Büchsen heraus- nimmt ... So wenig ist
nötig, um ein Gedankengebäude zum Einsturz
zu bringen. Kinder können das ohne Anstrengung.
Und weise Menschen, wenn wir das Glück haben,
ihnen zu begegnen. Das sind die Chaosmeister, die
uns dazu bringen, ganz neu über die Dinge nachzudenken
und eine andere Sicht einzuüben.
Für
Kühlwein ist Jesus ein solcher Meister –
und die Bergpredigt, die Rede aller Reden, gilt dem
Autor dafür als Beweis. Die Ergebnisse der theologischen
und biblischen Jesusforschung sind Kühlweins
Fundament. "Im jüdischen Empfinden ist der
Berg der klassische Ort wirkmächtiger Gottesoffenbarung.
Folgen wir Jesus auf den Berg, tritt er uns als großer
Weisheitslehrer Israels entgegen, der verblüffende
Einsichten freisetzt über das Leben miteinander
und den alles tragenden Grund:
Klaus
Kühlwein schreibt keinen exegetischen, keinen
bibelwissenschaftlichen Kommentar. Doch mit großem
Spürsinn für Wort und Bedeutung meditiert
er wesentliche Sätze der Bergpredigt und zeigt
überraschende Zusammenhänge. Wir hören
Jesu Botschaft plötzlich wie neu.
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Dr.
Horst Goldstein
Publik Forum, 14.1.2000
Mit
seiner gelegentlich teils augenzwinkernd-feuilletonischen,
teils burschikos-flapsigen Sprache mutet der Autor,
theologischer Erwachsenenbildner in Freiburg, seinen
Lesern und Leserinnen zunächst ein Gefühl
der Verblüffung zu: Kann man so über die
Bergpredigt reden?
Dann
aber erweist sich sein Buch als keineswegs herkömmliche
Deutung der Programmrede Jesu, überraschend und
erfrischend. Kühlwein zufolge ist Jesus nämlich
erstens ein Weisheitslehrer, für den Liebe das
Leben gelingen lässt. Die Bergpredigt will also
Weisung auf dem Weg gelingenden Lebens sein. Wenn
Menschen das Leben nicht selten als verwirrend und
chaotisch, als rätselhaft und belastend empfinden,
dann hat das Chaotische aber auch Züge heilender
Entwirrung. So erweist sich der Bergprediger mit seinen
mitunter überzeichnenden Antithesen und seinen
geradezu unerfüllbar anmutenden Forderungen –
im Sinne einer paradoxen Intervention – zweitens
als Meister des Chaos. Durch Unberechenbarkeit und
Widerspruch seiner Worte lässt er kreativ neues
Leben sprießen.
Zusammenfassend:
Jesus ist der weisheitliche Chaosmeister und seine
Predigt kluge Lebenshilfe. Kritisch, aber den Wert
des Buches insgesamt nicht beeinträchtigend,
bleibt anzumerken, dass die Darstellung der Pharisäer
differenzierter hätte ausfallen müssen.
Oft schon genug ist gesagt worden: Pharisäer
sind keine "Pharisäer". Summa summarum:
ein stilistisch und theologisch pfiffiges Buch.
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Pater Dr. Alfred
Moser
Ferment 2/2000
Über
den Titel dieses Buches lässt sich streiten:
Für die einen wirkt er reißerisch, für
den anderen, der sich noch nie mit der Chaostheorie
befasst hat, leicht missverständlich. Denn unter
einem Chaos versteht der Mann auf der Straße
ein unentwirrbares Durcheinander. Um ein solches kann
es Jesus ja wohl nicht gegangen sein, sondern um die
kreativen Impulse, die noch in einem Trümmergebilde
stecken und nur darauf warten, entdeckt zu werden.
Eigentlich
geht es dem Verfasser um das kreative Potential der
Bergpredigt. Das Buch ist sprachlich gekonnt formuliert.
Wesentliche Aspekte an der Person und der Botschaft
Jesu werden deutlich: "Gemeinsam war den damaligen
religiösen Gruppierungen die Überzeugung,
dass die gegen- wärtige Welt verloren und dem
Untergang geweiht sei. Sobald Jahwe komme, werde alles
Böse radikal ausgemerzt und die Herrschaft des
Himmels machtvoll aufgerichtet. Erben würden
das neue Reich allein die Getreuen Gottes. Natürlich
wussten die Vertreter und Anhänger der jeweiligen
Endzeittrommler genau, wie man als Getreuer auf die
richtige Seite gelangte. Jesus hielt dem eine ebenso
einfache wie unerhörte Botschaft entgegen: Gott
ist schon da und mit ihm sein Reich. In der Bergpredigt
Jesu, in den Seligpreisungen und den sechs Antithesen
geht es nicht um gesetzliche Rezepte und Spitzfindigkeiten
einiger Frommer, sondern um die Rückbesinnung
auf die Grundprinzipien der Lebensgestaltung, wie
es vor allem in der jüdischen Weisheitsliteratur
des vierten und dritten Jahrhunderts vor unserer Zeitrechung
formuliert wurde.
"Die
Weisheit fragt danach, was dem alltäglichen Lebens
des Menschen dient, was das Lebens gelingen lässt,
nach Jesus in Liebe gelingen lässt. Starre Antworten
sind dafür nicht geeignet. Sie wirken auf den
Atem des Lebens, auf den je anderen Rhythmus in den
verschiedenen Lebensituationen wie lähmendes
Gift ... Nur oberflächlich sehen Jesu Weisungen
wie gesetzliche Vorschriften de Luxe aus. Im Tiefsten
offenbaren sie Weisheitsworte, die kreatives Chaos
auslösen. Wir merken auf, werden verblüfft,
und ehe wir uns versehen, hocken wir auf einem Trümmerhaufen.
Er besteht aus zerborstenen Stücken ehemals schablonenhaften
Denkens und Handelns. Alles in allem, ein Buch über
den kreativen Jesus, das selbst als kreativer Wurf
bezeichnet werden darf. |
Pater Dr. Leo Ettlin
Schweizerische Kirchenzeitung 6/2001
Der
theologische Erwachsenenbildner aus Freiburg i.
Br. verfügt, wie schon der Titel "Chaosmeister
Jesus" andeutet, über eine anschauliche
und einprägsame Sprache. Der Titel kommt aus
dem Umfeld der Chaosforschung, einem neuen Reißer
auf dem Markt der Wissenschaft. Diese neue wissenschaftliche
Errungenschaft lehrt, dass in der Unordnung eigendynamisch
neues Leben steckt: Neues wächst auf den Trümmern.
Klaus
Kühlwein sieht im Jesus der Bergpredigt einen
genialen Chaotiker, einen kreativen Erneuerer, der
gesellschaftliche und moralische Tabus seiner jüdisch-pharisäischen
Umwelt beseitigt. Auf diesen Trümmern wächst
nun das neue Ideal der Liebe, das in den Acht Seligkeiten
gipfelt. Die Lektüre dieses Buches ist ein
Genuss. Kühlwein verfügt über eine
bilderreiche Sprache und originelle Ideen voll Überraschungen.
Aber er ist trotz der sprudelnden Überraschungen
nie banal oder oberflächlich.
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