Dr. Klaus Kühlwein - Buchautor Freiburg - Papst Pius XII. - Die Kirche und der Holocaust
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Die Bergpredigt

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Die Weisheit der Bergpredigt

Thesen und Bemerkungen

 

Die Bergpredigt gilt als widerspenstigste und zugleich wirkmächtigste Rede Jesu. Sie hat radikalste Befürwortung und Gegnerschaft ausgelöst. Nach verbreiteter Auffassung, enthält sie ein Grundproblem, das nur sehr schwer oder gar nicht lösbar ist.  

   Jesus war kein umgänglicher Zeitgenosse, leicht zu nehmen und schnell zu verstehen. Die Bergpredigt gibt redlich Zeugnis davon. Jesus provozierte mit Vorliebe, und das Zähneknirschen seiner Hörer bereitete ihm wohl mehr Lust denn Verdruss Im Chor der religiösen und politischen Interessenmelodien des römisch besetzten Landes pfiff er gar nicht er mit, auch nicht als Missklang. Er zog es vor, eine eigene Melodie vorzutragen, die anderen Gesetzen folgte, als die der lauthals Tönenden.

   Die Worte strahlen eine Anziehungskraft aus, die oberflächliches Weiterlesen energisch ausbremst und zum Nachdenken zwingt. Sie sind wie der überraschende Schatz im Acker. Die entdeckte Truhe knistert spannungsvoll, und wer hineinschaut, dem schillern geheimnisvoll trapierte Kleinode entgegen. Die wertvollsten davon sind Weisungen für das gelingende und heilende Leben der Menschen untereinander. Jesus hat sie so kunstvoll geschliffen, daß sie niemand leichtfertig auszusortieren wagt, um sie in eine Kiste zu verstauen mit der Aufschrift: Moralkodex - für die eine oder andere Gelegenheit. Die Forderungen der Bergpredigt lassen sich nicht einfach wegschließen.

 

          weiterlesen (pdf / 5 S.)  

 

 

 

Klaus Kühlwein:

Chaosmeister Jesus. Die Bergpredigt,

Verlag Kath. Bibelwerk (Stuttgart) 1999.      

Das Buch ist vergriffen. Sie können es aber (noch) durch mich beziehen.                                        

 

 

Rezensionen

Hans Albert Höntgens
Christ in der Gegenwart. Religiös-theologische Neuerscheinungen/Herbst 1999

Der Theologe Klaus Kühlwein hat ein ebenso kenntnisreiches wie unkonventionelles Buch über die Bergpredigt geschrieben. Wer sich über den Titel wundert, erfährt im Vorwort Neues aus der Chaosforschung. Es ist wie mit der unteren Dose, die man aus einem Turm von Büchsen heraus- nimmt ... So wenig ist nötig, um ein Gedankengebäude zum Einsturz zu bringen. Kinder können das ohne Anstrengung. Und weise Menschen, wenn wir das Glück haben, ihnen zu begegnen. Das sind die Chaosmeister, die uns dazu bringen, ganz neu über die Dinge nachzudenken und eine andere Sicht einzuüben.

Für Kühlwein ist Jesus ein solcher Meister – und die Bergpredigt, die Rede aller Reden, gilt dem Autor dafür als Beweis. Die Ergebnisse der theologischen und biblischen Jesusforschung sind Kühlweins Fundament. "Im jüdischen Empfinden ist der Berg der klassische Ort wirkmächtiger Gottesoffenbarung. Folgen wir Jesus auf den Berg, tritt er uns als großer Weisheitslehrer Israels entgegen, der verblüffende Einsichten freisetzt über das Leben miteinander und den alles tragenden Grund:

Klaus Kühlwein schreibt keinen exegetischen, keinen bibelwissenschaftlichen Kommentar. Doch mit großem Spürsinn für Wort und Bedeutung meditiert er wesentliche Sätze der Bergpredigt und zeigt überraschende Zusammenhänge. Wir hören Jesu Botschaft plötzlich wie neu.

 

Dr. Horst Goldstein
Publik Forum, 14.1.2000

Mit seiner gelegentlich teils augenzwinkernd-feuilletonischen, teils burschikos-flapsigen Sprache mutet der Autor, theologischer Erwachsenenbildner in Freiburg, seinen Lesern und Leserinnen zunächst ein Gefühl der Verblüffung zu: Kann man so über die Bergpredigt reden?

Dann aber erweist sich sein Buch als keineswegs herkömmliche Deutung der Programmrede Jesu, überraschend und erfrischend. Kühlwein zufolge ist Jesus nämlich erstens ein Weisheitslehrer, für den Liebe das Leben gelingen lässt. Die Bergpredigt will also Weisung auf dem Weg gelingenden Lebens sein. Wenn Menschen das Leben nicht selten als verwirrend und chaotisch, als rätselhaft und belastend empfinden, dann hat das Chaotische aber auch Züge heilender Entwirrung. So erweist sich der Bergprediger mit seinen mitunter überzeichnenden Antithesen und seinen geradezu unerfüllbar anmutenden Forderungen – im Sinne einer paradoxen Intervention – zweitens als Meister des Chaos. Durch Unberechenbarkeit und Widerspruch seiner Worte lässt er kreativ neues Leben sprießen.

Zusammenfassend: Jesus ist der weisheitliche Chaosmeister und seine Predigt kluge Lebenshilfe. Kritisch, aber den Wert des Buches insgesamt nicht beeinträchtigend, bleibt anzumerken, dass die Darstellung der Pharisäer differenzierter hätte ausfallen müssen. Oft schon genug ist gesagt worden: Pharisäer sind keine "Pharisäer". Summa summarum: ein stilistisch und theologisch pfiffiges Buch.

 

Pater Dr. Alfred Moser
Ferment 2/2000

Über den Titel dieses Buches lässt sich streiten: Für die einen wirkt er reißerisch, für den anderen, der sich noch nie mit der Chaostheorie befasst hat, leicht missverständlich. Denn unter einem Chaos versteht der Mann auf der Straße ein unentwirrbares Durcheinander. Um ein solches kann es Jesus ja wohl nicht gegangen sein, sondern um die kreativen Impulse, die noch in einem Trümmergebilde stecken und nur darauf warten, entdeckt zu werden.

Eigentlich geht es dem Verfasser um das kreative Potential der Bergpredigt. Das Buch ist sprachlich gekonnt formuliert. Wesentliche Aspekte an der Person und der Botschaft Jesu werden deutlich: "Gemeinsam war den damaligen religiösen Gruppierungen die Überzeugung, dass die gegen- wärtige Welt verloren und dem Untergang geweiht sei. Sobald Jahwe komme, werde alles Böse radikal ausgemerzt und die Herrschaft des Himmels machtvoll aufgerichtet. Erben würden das neue Reich allein die Getreuen Gottes. Natürlich wussten die Vertreter und Anhänger der jeweiligen Endzeittrommler genau, wie man als Getreuer auf die richtige Seite gelangte. Jesus hielt dem eine ebenso einfache wie unerhörte Botschaft entgegen: Gott ist schon da und mit ihm sein Reich. In der Bergpredigt Jesu, in den Seligpreisungen und den sechs Antithesen geht es nicht um gesetzliche Rezepte und Spitzfindigkeiten einiger Frommer, sondern um die Rückbesinnung auf die Grundprinzipien der Lebensgestaltung, wie es vor allem in der jüdischen Weisheitsliteratur des vierten und dritten Jahrhunderts vor unserer Zeitrechung formuliert wurde.

"Die Weisheit fragt danach, was dem alltäglichen Lebens des Menschen dient, was das Lebens gelingen lässt, nach Jesus in Liebe gelingen lässt. Starre Antworten sind dafür nicht geeignet. Sie wirken auf den Atem des Lebens, auf den je anderen Rhythmus in den verschiedenen Lebensituationen wie lähmendes Gift ... Nur oberflächlich sehen Jesu Weisungen wie gesetzliche Vorschriften de Luxe aus. Im Tiefsten offenbaren sie Weisheitsworte, die kreatives Chaos auslösen. Wir merken auf, werden verblüfft, und ehe wir uns versehen, hocken wir auf einem Trümmerhaufen. Er besteht aus zerborstenen Stücken ehemals schablonenhaften Denkens und Handelns. Alles in allem, ein Buch über den kreativen Jesus, das selbst als kreativer Wurf bezeichnet werden darf.

 

Pater Dr. Leo Ettlin
Schweizerische Kirchenzeitung 6/2001

Der theologische Erwachsenenbildner aus Freiburg i. Br. verfügt, wie schon der Titel "Chaosmeister Jesus" andeutet, über eine anschauliche und einprägsame Sprache. Der Titel kommt aus dem Umfeld der Chaosforschung, einem neuen Reißer auf dem Markt der Wissenschaft. Diese neue wissenschaftliche Errungenschaft lehrt, dass in der Unordnung eigendynamisch neues Leben steckt: Neues wächst auf den Trümmern.

Klaus Kühlwein sieht im Jesus der Bergpredigt einen genialen Chaotiker, einen kreativen Erneuerer, der gesellschaftliche und moralische Tabus seiner jüdisch-pharisäischen Umwelt beseitigt. Auf diesen Trümmern wächst nun das neue Ideal der Liebe, das in den Acht Seligkeiten gipfelt. Die Lektüre dieses Buches ist ein Genuss. Kühlwein verfügt über eine bilderreiche Sprache und originelle Ideen voll Überraschungen. Aber er ist trotz der sprudelnden Überraschungen nie banal oder oberflächlich.

 

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